Wenn man sich heute Finanz­in­stitute anschaut, dann sieht man schnell: Es läuft! Die Prozesse sind da, die Systeme funktio­nieren, die Themen sind klar definiert. Und dennoch scheint nichts wirklich voran­zu­gehen. Termin folgt auf Termin, dazwi­schen E‑Mails, Rückfragen, Abstim­mungen – aber es fühlt sich an, als würde man auf der Stelle treten. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, warum das so ist. Und auf die überra­schend nahelie­gende Lösung des Problems.

Warum bleibt das Gefühl aus, dass sich etwas bewegt?

Das Phänomen zieht sich oft durch die gesamte Organi­sation: Führungs­kräfte stellen fest, dass sie mehr koordi­nieren müssen als früher, Berater fühlen sich den ganzen Tag beschäftigt – und finden dennoch kaum den Freiraum, Dinge wirklich sauber zu Ende zu bringen. Oft laufen mehrere Themen im Institut parallel zuein­ander, und noch bevor etwas wirklich abgeschlossen ist, beginnen schon die nächsten.

Aus der Perspektive des Einzelnen ist das oft schwer greifbar, weil das Problem leise und unspek­ta­kulär ist. Doch wenn wir den Blick auf das große Ganze richten, zeigt ein zweiter Blick: Es entsteht an vielen Stellen einfach kein sauberer Fluss. Themen bleiben liegen, Rückmel­dungen dauern länger, Entschei­dungen ziehen sich … Hier summieren sich viele kleine Reibungs­punkte zu einem Gesamt­gefühl auf.

Alles läuft gleich­zeitig ab

Die Themen und Projekte, die aktuell in den Häusern anstehen, sind in der Regel absolut richtig und wichtig. Doch sie werden oft parallel zuein­ander angefasst. Auf dem Papier soll daraus Geschwin­digkeit entstehen. In der Realität erzeugt es oft nur zusätz­lichen Druck.

Denn alles, was parallel angestoßen wird, muss irgendwo verar­beitet werden – bei den konkreten Mitar­beitern. Und hier fühlt es sich dann schnell so an, als würde nach jedem abgeschlos­senen Thema schon gleich wieder das nächste anstehen. Und das kommt als erneuter Druck beim Mitar­beiter an.

Druck erzeugt Fehler

Menschen reagieren unter­schiedlich auf diesen Druck:

  • Einige reagieren darauf mit einem noch höheren Anspruch an Genau­igkeit. Sie arbeiten sich immer tiefer ins Thema ein – doch aus genau dieser Sorgfalt kann Überlastung entstehen. 
  • Andere gehen den umgekehrten Weg: Sie entscheiden schneller, schaffen kurzfristig Klarheit – aber es fehlt die Zeit, die Themen sauber zu Ende zu denken. 
  • Wieder andere zögern wichtige Entschei­dungen unter Druck aus Verant­wor­tungs­gefühl hinaus – das zögert jedoch auch alle darauf aufbau­enden Entschei­dungen hinaus. 

Keine dieser drei Heran­ge­hens­weisen ist in sich schlecht. Doch unter Druck können sie alle ins Negative umschlagen.

Und selbst dieje­nigen, die keinem dieser Typen entsprechen, machen in der Regel mehr Fehler unter Druck. Die müssen nicht spekta­kulär sein. Aber vielleicht bringt man die Dinge einfach nicht mehr so sauber zu Ende, lässt Eintra­gungen unvoll­ständig, überspringt „unnötige“ Schritte im Prozess, um Zeit zu sparen. Leider entsteht daraus in der Summe nur mehr Bedarf an Nacharbeit.

Mehr Regeln verschärfen das Problem nur

Die typische Reaktion in solchen Arbeits­um­ge­bungen ist nachvoll­ziehbar: Mehr Regeln müssen her, mehr Dokumen­tation und zusätz­liche Prüfungen!

All das ist für sich genommen sinnvoll. Doch jede zusätz­liche Regel erhöht den Aufwand im Alltag – und verdichtet ihn noch weiter. Schnell lösen eigentlich sinnvolle Lösungs­an­sätze den Druck nicht, sondern erhöhen ihn lediglich noch.

Die Folge ist ein unschöner Kreislauf: Fehler führen zu mehr Regeln, mehr Regeln zu mehr Aufwand, mehr Aufwand zu mehr Druck – und durch mehr Druck entstehen wieder neue Fehler.

Was der Kunde spürt, ist fehlende Kraft

Dem Kunden fallen in der Regel keine drama­ti­schen Fehler aufgrund des Drucks im Institut auf. Doch es macht sich das Gefühl breit, dass immer wieder Antworten länger dauern. Oder dass in Gesprächen der Moment fehlt, wo etwas vom Berater sinnvoll weiter­ge­dacht wird. Dann ist oft alles fachlich korrekt – aber es fehlt an der Orien­tierung und Einordnung, die für (Unternehmer-)Kunden den Mehrwert ausmachen, den sie von Finanz­be­ratern erwarten. Denn das ist ein Thema von Energie und Fokus. Und wenn der Alltag stark ausge­lastet ist, fehlt es an beiden Ressourcen.

Stabi­lität ist notwendig – aber sie reicht nicht aus

Viele Institute haben ein hohes Maß an Stabi­lität erreicht: Die Prozesse sind definiert, Abläufe dokumen­tiert, Systeme mitein­ander verknüpft. Doch Stabi­lität im System bedeutet nicht automa­tisch Stabi­lität im Erleben. Wenn Abläufe eng getaktet sind und viele Themen parallel laufen, dann ist zwar alles geregelt – aber es fehlt oft an Raum, um diese Regelungen umzusetzen.

Stabi­lität entsteht nicht nur durch Regeln und Prozesse. Sie entsteht auch durch die Möglichkeit, diese Prozesse im Alltag umzusetzen. Und dazu braucht es Freiraum. Ohne ihn wird das System stabiler gedacht – aber im Alltag weniger stabil erlebt. Und dann sind am Ende die Kunden­ge­spräche zwar fachlich korrekt, aber sie gehen nicht den letzten Schritt, um einen echten Mehrwert zu bieten. Wer keinen Freiraum hat, reagiert nur! Wer nur reagiert, hat keine Zeit für das Wesent­liche. Deswegen ist Freiraum kein Wellness-Thema. Er ist die Grund­vor­aus­setzung für quali­tative Arbeit und Erfolg.

Wo im Alltag kein Freiraum ist, fehlt er auch im entschei­denden Moment

Wenn jeder Tag dicht getaktet ist, jede Woche neue Themen bringt und kaum noch Dinge final abgeschlossen werden, ohne direkt auf das nächste Thema überzu­springen, dann fließt die Energie nur noch in die Abstimmung, Koordi­nation und Nacharbeit. Und dann fehlt sie beim Kunden­kontakt, wo sie besser aufge­hoben wäre, um den Kunden echte Mehrwerte zu bieten.

In den meisten Insti­tuten fehlt es also nicht an Wissen oder Kompetenz – sondern lediglich an den Freiräumen, die man braucht, um im entschei­denden Moment den einen Schritt weiter­zu­gehen, den die Kunden im Gespräch erwarten.

Die Lösung: nicht mehr „mehr“, sondern „anders“!

Da der aktuelle Mangel an Freiraum durch sehr unter­schied­liche kleine Probleme ausgelöst wird, die sich gegen­seitig aufsum­mieren, gibt es auch keinen großen „Zauber-Hebel“, mit dem das Problem aus der Welt geschafft werden könnte. Und neue Regeln, neue Systeme sowie neue Tools helfen in der Regel nicht dabei, den Druck heraus­zu­nehmen – eher im Gegenteil.

Es hilft jedoch, zu reali­sieren, dass nicht jedes Thema die gleiche Tiefe und Aufmerk­samkeit benötigt. Und nicht alles, was im System auftaucht, muss die eigene Energie binden. Wer manche Aufgaben nicht in maximaler Tiefe bearbeitet, klare Entschei­dungen nicht aufschiebt oder ein Thema bewusst zu Ende bringt, bevor er das nächste beginnt, der merkt schnell: Es geht nicht darum, alles zu verändern, sondern an spezi­fi­schen Punkten wieder handlungs­fähig zu werden.

Wenn der Alltag wieder so stabil wird, dass er nicht permanent zusätz­liche Energie verlangt, dann entsteht ein Grund­niveau, auf das man sich verlassen kann. Das ist so stabil, dass darauf aufgebaut werden kann. Und es erlaubt Ihnen, im richtigen Moment wieder mehr zu leisten als nur das, was ohnehin vorge­sehen ist.

Ihre Kunden werden es Ihnen danken. Versprochen!

Kontakt

Dirk Wiebusch
info@ifuf.de

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